Vectorworks Architektur 2017

BIM-Verbesserungen in der neuen Version

Bereits seit einigen Jahren werden mit Vectorworks Architektur BIM-Projekte in unterschiedlichen Größen und Detaillierungsgraden geplant. Soeben wurde die Großforschungsanlage SwissFEL mit dem BIM Innovation and Performance Arc Award ausgezeichnet, ein Projekt der Itten+Brechbühl AG, dessen Planung nach BIM-Prinzipien mit Vectorworks und Solibri Model Checker bereits im Jahr 2012 begann. Seitdem hat sich in Vectorworks einiges getan und ganz besonders macht Version 2017 in Sachen BIM-Funktionalität einen Riesenschritt voran.

Der Zubehörmanager sorgt für mehr Übersicht.
SwissFEL von der Itten+Brechbühl AG

BIM-Planungen sind mit Vectorworks 2017 deutlich schneller und flüssiger geworden, aber auch übersichtlicher, was angesichts einer zunehmenden Datenflut besonders hilfreich ist. Dabei wurde Wert auf die Eigenschaft gelegt, die Vectorworks als BIM-Software bei Architekturbüros so beliebt macht: Vectorworks lässt den Planern absolute Freiheit bei der Realisierung ihrer Ideen und verführt nicht dazu, ein Gebäude ausschließlich aus vorkonfigurierten Bauteilen „zusammenzuklicken“. Das Programm ermöglicht also, von den Vorteilen des neuen Planungsprozesses zu profitieren, ohne dass dafür Abstriche bei der eigenen Baukultur nötig sind – für viele Büros eine unverzichtbare Voraussetzung vor einer Umstellung auf BIM. Was ist nun also anders in Version 2017? Die neue Version stellt nicht nur neue, praktische BIM-Werkzeuge zur Verfügung, sondern passt auch eine ganze Reihe bestehender Funktionen an das Planen mit BIM an. Zum Beispiel den komplett überarbeiteten Zubehör-Manager.

Schneller Zugriff auf BIM-Objekte

Ein bedeutendes Element bei BIM-Planungen bildet das verwendete Zubehör, das, ganz im Sinne von BIM, immer häufiger mit zusätzlichen Daten verknüpft ist. In Zeiten von Tausenden Bibliotheken im Internet braucht es hier ein Werkzeug, das Orientierung im ausufernden Datendschungel verspricht. Genau das leistet der neue Zubehör-Manager, der die alte Zubehörpalette ersetzt. Mit dem Zubehör-Manager behalten Sie nicht nur die Übersicht über alle Schraffuren, Materialien, Datenbanken, Symbole, Wandstile usw. und verwalten diese bequem. Sie haben auch mit einem Klick Zugriff auf alle Bibliotheken, sogar direkt auf das ganze Online-Zubehör von Service Select. Mit differenzierten Filter- und Suchfunktionen, den neuen Tags und Suchen in Datenbankeinträgen finden Sie das gesuchte Element, schnell und ohne Federlesen. Und zwar nicht nur im Zubehör-Manager selbst, sondern ebenso in Werkzeugen: den Wandstil im Werkzeug Wand, die neuen Fensterstile bei den Fenstern, den Bodenaufbau bei Böden usw. Vectorworks bietet Ihnen hier eine der fortschrittlichsten Lösungen der CAD-Welt.

In Vectorworks 2017 wurden einige der für BIM so zentralen Bauteile drastisch verbessert und ausgebaut, darunter Fenster und Türen. Für sie wurden Stile eingeführt. Dabei handelt es sich um eine Art „Formatvorlagen“, wie sie in Textverarbeitungen die Schrift, Größe, Textausrichtung etc. von Überschriften, Legenden usw. festlegen. Mit den neuen Stilen in Vectorworks 2017 wird das Aussehen eines Fensters oder einer Tür ganz oder teilweise definiert und gespeichert. Eine Änderung an allen Fenstern vom gleichen Typ (oder eben Stil) kann auf einen Schlag vorgenommen werden, indem man den verwendeten Stil ändert. Fenster- und Türstile sind effizient wie Symbole, ohne die Vorteile von Intelligenten Objekten zu verlieren.

Fenster und Türen
Projekt Sharing

Noch flexibler im Team arbeiten

Ebenfalls ausgebaut wurde Projekt Sharing für die verbesserte Teamarbeit. Um die Arbeit noch flexibler aufzuteilen, können neu auch einzelne oder mehrere Objekte ausgecheckt werden und nicht nur ganze Ebenen. Zonen wie ein Gebäudetrakt, einzelne Bauteile wie Stützen oder Nasszellen können so bearbeitet werden, ohne dass der Mitarbeiter damit die Ebene, auf der sich die Objekte befinden, für die anderen blockiert. Weiter unterstützt Projekt Sharing 2.0 Dropbox, OneDrive, Google Drive und Box. Damit werden Projektbeteiligte an verschiedenen Standorten in die Lage versetzt, unkompliziert und ohne komplexe IT-Infrastruktur gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten.

Eine weitere neue Funktion macht es möglich, das I in BIM, also die hinterlegten Daten von Bauteilen, im Plan sichtbar zu machen. So lassen sich beispielsweise auf Knopfdruck Objekte in Abhängigkeit ihrer Datenbankeinträge unterschiedlich einfärben: Stellen Sie alle Räume in einem Ansichtsbereich gemäß ihrer Nutzungsart in einer anderen Farbe dar. Ein anderer Ansichtsbereich zeigt die Räume unterschiedlich an, abhängig von ihrem Bodenbelag. So erstellen Sie Übersichtspläne im Handumdrehen und kontrollieren schnell und unkompliziert schon im CAD, ob alle Objekte ihre korrekten BIM-Daten aufweisen, beispielsweise die Türen die geforderten Brandschutzklassen. Praktisch ist das nicht nur für BIM-Planungen, sondern generell für Daten, die man in einem Plan visualisieren möchte.

Datenvisualisierung in Ansichtsebenen

„Vectorworks 2017 ist ein Meilenstein für einen flüssigen, effizienten BIM-Prozess.“

Das BIM Collaboration Format BCF dient dazu, Änderungen, allgemeine Notizen, Informationen über Mängel im Modell usw. in einer einheitlichen, übersichtlichen Form den Planungsbeteiligten mitzuteilen. Der komplett neue BCF-Manager zeigt jedes besprochene Problem mit Bild sowie Beschrieb und zoomt in Vectorworks direkt an die entsprechende Stelle. Hier kann man das Problem als gelöst markieren oder man schreibt einen Kommentar und leitet diesen via BCF-Format an die Projektpartner weiter. Das gewährleistet eine flüssige, effiziente Kommunikation während einer BIM-Planung.

Ein neues BIM-Bauteil legt verschiedenste Träger und Unterzüge an, ob aus Stahl, Beton oder Holz, die sich ins Gebäudemodell integrieren. Das intelligente Werkzeug sorgt nicht nur dafür, dass Träger alle möglichen Lagen und Neigungen aufweisen, sondern dass sie auch automatisch normkonform dargestellt werden. Ein weiteres neues intelligentes BIM-Werkzeug erstellt auch komplexe Entwässerungssituationen mit schrägen Böden, Flachdächer mit Neigungen, abgeschrägte Balkone, geneigte Tiefgaragen usw. korrekt in 3D mit Schnitten und Mengen. Mit dem neuen IFC-Datenmanager kann man den Vorgang automatisieren, im Modell Daten aus unterschiedlichen Quellen zu lesen, zu verarbeiten und ins gewünschte IFC-Feld einzutragen. Damit bietet momentan Vectorworks 2017 in der BIM-Welt die wohl flexibelste Lösung für diese Aufgabe. Denn in der Praxis gibt es leider kein fix und fertiges IFC-Mapping, also keine vollständig standardisierte Übertragung der (deutschen) Eigenschaften von Bauteilen in die IFC-Felder – dies setzt immer noch eine gehörige Portion Know-how voraus.

Mit dem IFC-Datenmanager jedoch verfügt der BIM-Experte im Architekturbüro über ein Instrument, das ihm erlaubt festzulegen, welche Attribute bzw. Kombination von Attributen in einer Vectorworks-Datenbank zum richtigen Eintrag in einem Custom PSet oder IFC-Feld führen. So lassen sich solche Aufgaben auch problemlos von Mitarbeitern erledigen, die nicht über das gesamte Spezialwissen zu der Begrifflichkeit von IFC-Typen verfügen, und eine Zusatzinformation, sagen wir der Kostencode eines Bauteils, wird automatisch an die richtige Datenstelle gemappt. Eine willkommene Entlastung für jeden Big-BIM-Prozess.

Neue BIM-Objekte

Vectorworks 2017 hat noch viele weitere BIM-Funktionen zu bieten. Sie reduzieren spürbar den Aufwand für ein Architekturbüro, um ein BIM-Modell in 3D zu erstellen und damit mit den Planungspartnern zusammenzuarbeiten. So erkennen in Vectorworks 2017 viele Objekte Geschosse und Referenzhöhen. Dadurch platzieren sie sich automatisch dort, wo sie hingehören: So stehen beispielsweise Möbelsymbole auf dem Fertigboden, Lampen verschieben sich nach dem Ändern der Deckenreferenzhöhe von selbst an die richtige Position usw. Mit Vectorworks 2017 haben Sie über große globale Provider wie z. B. bimobject® Online-Zugriff auf mehrere Millionen BIM-Objekte. Das sind echte Herstellerobjekte, die nebst der Geometrie alle BIM-relevanten Daten wie die Artikel-Nr. usw. enthalten und die jederzeit auf Knopfdruck aktualisierbar sind.

IFC 4

Die Schnittstellen in Vectorworks 2017 sind topaktuell, mit IFC4 wird die aktuellste Version von IFC unterstützt. Der offizielle ISO-Standard von buildingSMART dient der Kommunikation mit anderen BIM-Lösungen in Open BIM-Prozessen. Auch Revit-Dateien lassen sich jetzt direkt in Vectorworks importieren und geben über die Revit-Familien Zugriff auf zahllose Bauteile, die verschiedenste Hersteller im RVT-Format anbieten. Vectorworks 2017 verbessert den BIM-Prozess und erhöht dessen Wertschöpfung noch an vielen weiteren prominenten und weniger prominenten Stellen im Programm. Renderworks ist fester Bestandteil von Vectorworks und sorgt dafür, dass das Modellieren in 3D generell bequemer und effizienter ist. Über einen kostenlosen Account in den Vectorworks Cloud Services kann man Bauherren oder Partnerfirmen Zugriff auf Modelle, Pläne und Dateien geben. Und dank Virtual und Augmented Reality lassen sich die Modelle sogar in 3D betrachten oder durchlaufen, überall und auf jedem Smartphone oder auf einem anderen mobilen Gerät.

Kurz: Wenn es um BIM-Planung geht, egal ob man einfach die Planung von 2D auf 3D umstellt oder ob im großen Stil mit Model Checking, Kommunikation und Datenaustausch mit Partnern und Spezialisten – Vectorworks 2017 ist ein Meilenstein für einen flüssigen, effizienten BIM-Prozess.

 

 

 

 

Über Benedikt Fischer

Dipl.-Ing. Benedikt Fischer ist Freier Architekt und BIM-Consultant und arbeitet bei ComputerWorks in den Bereichen Entwicklung und Marketing.